Vom Verschwiegenen ins kollektive Gedächtnis

Informationen

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Informationen zu den Kinderkuren


Namensnennung

Der Begriff „DDR-Kurkinder“ wird verwendet und schließt auch die Kurkinder der Nachwendezeit ein. Er sollte gezielt genutzt werden, um die Anerkennung als eigenständige Betroffenengruppe zu stärken.

Die verwendeten Begriffe beeinflussen, welche Themen sichtbar werden und wie etwas gesellschaftlich wahrgenommen wird.

In der öffentlichen Wahrnehmung werden DDR-Kurkinder häufig gemeinsam mit den sogenannten Verschickungskindern der alten BRD genannt, ohne die jeweiligen Staatssysteme und Rechtsordnungen differenziert zu benennen. Diese Gleichsetzung verzerrt die historische Realität eines geteilten Deutschlands, erschwert die Aufarbeitung der Kinderkuren in der DDR und beeinträchtigt die Anerkennung als eigenständige Betroffenengruppe.

Eine eigene Begrifflichkeit kann die Grundlage für die Aufarbeitung legen und zugleich eine rechtliche Einordnung unterstützen, da Institutionen und Rechtsstrukturen der DDR heute nicht mehr bestehen. Die Kinderkuren der Nachwendezeit sind gesondert einzubeziehen.

Für die drei Staatssysteme, die alte Bundesrepublik, die DDR und die BRD des wiedervereinigten Deutschlands, braucht es differenzierte Benennungen, um eine gleichwertige Aufarbeitung aller Systeme zu ermöglichen und die Grundlage für mögliche Entschädigungsregelungen für Betroffene zu schaffen.


Alter der Kinder und Jugendlichen

Nach den bisherigen Rückmeldungen waren Kinder im Alter von etwa zwei bis vier Jahren bis ins Jugendalter von etwa elf bis fünfzehn Jahren von den Kinderkuren in der DDR bis in die Nachwendezeit betroffen.


Kinderkuren im Kalten Krieg

Die Betrachtung der Kinderkuren sollte über das Konzept der sogenannten „schwarzen Pädagogik“ hinausgehen und den historischen Kontext des Kalten Krieges sowie die gesellschaftlichen und politischen Strukturen der DDR mit einbeziehen.

Thema: Erinnerungslosigkeit

Zudem muss die Erinnerungslosigkeit an die Kuren untersucht werden, die viele DDR‑Kurkinder trotz ihrer Traumafolgestörungen betrifft. Viele Betroffene können sich an die Zeit der Kinderkuren im Inland der DDR nur bruchstückhaft oder gar nicht erinnern, während Ereignisse davor und danach klar präsent sind. Dieses auffällige Phänomen sollte wissenschaftlich untersucht werden, insbesondere hinsichtlich der Medikamentenvergabe und ihrer möglichen Langzeitwirkungen.

Für Verschickungskinder in der alten BRD liegt bereits entsprechende Forschung vor.


Kliniken & Therapien

Therapeutinnen und Therapeuten sollten über die Kinderkuren in der DDR und BRD informiert sein. Bei betroffenen DDR‑Kurkindern hat die Traumaaufarbeitung begonnen, und der Austausch liefert Antworten auf Lebensproblematiken, die zuvor in Therapien nicht beachtet wurden, weil nicht nach den Erlebnissen in den Kinderkuren gefragt wurde. Für manche DDR‑Kurkinder ist es aufgrund der vergangenen Erfahrungen allerdings nicht mehr möglich, eine Institution wie eine Klinik aufzusuchen. Viele brauchen Hilfe, die sie sich auch finanziell nicht leisten können.


Institutionelle Verflechtungen

In den Biografien der DDR-Kurkinder spiegeln sich übergreifende institutionelle Erfahrungen des Systems wider. Themen wie Wochenkinder, die Kurkinder waren, Kurkinder, die Internatskinder waren, Zwangsadoptionen sowie Geschwister oder Freunde, die Heimkinder waren, sind von Bedeutung.


Elternbeziehung und Erinnerung

Auch der Umgang mit Traumata im Verhältnis zu den Eltern ist ein relevantes Thema, insbesondere im psychologischen Kontext von Schuld. Hinzu kommt, dass manche Eltern sich nicht an die Kurverschickung ihres Kindes erinnern möchten. Es gibt DDR-Kurkinder, die mehrfach zu Kinderkuren im In- und Ausland geschickt wurden, teilweise insgesamt bis zu 11 Mal. Für die Eltern galt ein Kontaktverbot und Briefe wurden in mehreren Kinderkureinrichtungen zensiert. Die Staatssicherheit der DDR spielte zudem sowohl in den Kinderkureinrichtungen als auch in den persönlichen Biografien und Familiengeschichten eine wichtige Rolle.


Kollektive Erfahrung

Da sich viele Erfahrungen ähneln und die Tagesabläufe sowie Erziehungsmaßnahmen in den DDR-Kureinrichtungen weitgehend einheitlich waren, können die DDR-Kinderkuren auch als kollektives Trauma betrachtet werden. Ein transgenerationales Trauma ist ebenfalls plausibel, da nicht alle DDR-Kurkinder in der Lage sein werden, diese Erlebnisse aufzuarbeiten, insbesondere angesichts der derzeit fehlenden gesellschaftlichen, rechtlichen, medialen und politischen Unterstützung.


Weitere Informationen folgen


Die auf dieser Website und in den zugehörigen Social-Media-Kanälen veröffentlichten Berichte beruhen auf persönlichen Erinnerungen ehemaliger Kurkinder in der DDR bis zur Nachwendezeit. Zum Schutz der Privatsphäre wurden alle personenbezogenen Angaben anonymisiert. Bitte beachten Sie, dass die Inhalte emotional belastend sein können. 

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Das Projekt mit künstlerisch-dokumentarischem Fokus wird ehrenamtlich und unabhängig betrieben. Ziel ist die Aufarbeitung, Aufklärung und Dokumentation historischer Erfahrungen der Kinderkuren in der DDR bis zur Nachwendezeit, um zukünftiges Unrecht zu verhindern.