Vom Verschwiegenen ins kollektive Gedächtnis

Hintergund & Informationen

Diese Seite befindet sich aktuell im Aufbau.


Hinweis zu den Informationen

Die Inhalte auf dieser Seite verstehen sich als Einordnung. Sie basieren auf persönlichen Erfahrungen und Recherchen, Zeitzeugenaustausch sowie der Auswertung privater und öffentlich zugänglicher Dokumente und Materialien. Es handelt sich nicht um eine wissenschaftliche Ausarbeitung, sondern um vermitteltes Wissen. Damit soll eine fundierte Aufarbeitung unterstützt werden, um Antworten für DDR-Kurkinder und ihre Angehörigen verfügbar zu machen, die Erfahrungen in einen historischen Kontext einzuordnen, Forschung zu ermöglichen sowie die Erinnerungskultur zu den DDR-Kinderkuren bis in die Nachwendezeit (bis etwa 1997) präsent zu erhalten.


Informationen zu den Kinderkuren


Namensnennung

Der Begriff „DDR-Kurkinder“ wird verwendet und schließt auch die Kurkinder der Nachwendezeit (bis etwa 1997) ein. Er sollte gezielt genutzt werden, um die Anerkennung als eigenständige Betroffenengruppe zu stärken.


Die verwendeten Begriffe beeinflussen, welche Themen sichtbar werden und wie etwas gesellschaftlich wahrgenommen wird.

In der öffentlichen Wahrnehmung werden DDR-Kurkinder häufig gemeinsam mit den sogenannten Verschickungskindern der alten BRD genannt, ohne die jeweiligen Staatssysteme und Rechtsordnungen differenziert zu benennen. Diese Gleichsetzung verzerrt die historische Realität eines geteilten Deutschlands, erschwert die Aufarbeitung der Kinderkuren in der DDR und beeinträchtigt die Anerkennung als eigenständige Betroffenengruppe.

Eine eigene Begrifflichkeit kann die Grundlage für die Aufarbeitung legen und zugleich eine rechtliche Einordnung unterstützen, da Institutionen und Rechtsstrukturen der DDR heute nicht mehr bestehen. Die Kinderkuren der Nachwendezeit sind gesondert einzubeziehen.

Für die drei Staatssysteme — alte Bundesrepublik, DDR und BRD des wiedervereinigten Deutschlands — braucht es differenzierte Benennungen, um eine gleichwertige Aufarbeitung aller Systeme zu ermöglichen und die Grundlage für mögliche Entschädigungsregelungen für Betroffene zu schaffen.


Sammelbegriffe

Der Begriff „Verschickungskinder“ hat sich im öffentlichen Diskurs etabliert und wurde durch Initiativen der BRD in den alten Bundesländer sowie mediale Aufmerksamkeit geprägt. Gleichzeitig existiert der Begriff „DDR-Kurkinder“, der eine vergleichbare Erfahrungsgruppe beschreibt, jedoch weniger öffentlich präsent ist. Beide Begriffe sind derzeit nicht rechtlich definiert und werden als Sammelbegriffe für unterschiedliche historische Kontexte von Kinderkuren in Deutschland verwendet.

Die Praxis der Kinderverschickungen hat weit zurückreichende historische Vorläufer. Im Nationalsozialismus wurde sie als Kinderlandverschickung bekannt. Die Kurverschickungen setzten sich in unterschiedlichen Formen im Kalten Krieg und in der Nachwendezeit (bis etwa 1997) fort und waren dabei von Umstrukturierungsprozessen begleitet.

Im Hinblick auf ihre Reichweite, ihre Bedeutung für die Erinnerungskultur sowie ihre historische Einordnung können beide Begriffe diskutiert werden. Dabei geht es auch darum, wie Erinnerungskultur im gesellschaftlichen Diskurs weiterentwickelt wird und welche Erfahrungen aus unterschiedlichen Staatssystemen sichtbar und erfahrbar gemacht werden.

Sammelbegriffe sollten in ihrer Beschreibung den historischen Kontext bewahren und keine vereinheitlichenden Darstellungen erzeugen, die unterschiedliche Staatssysteme in einem einheitlichen Bild der Kinderkuren zusammenführen und dadurch historische Unterschiede einebenen.


Das öffentliche Narrativ

Das gesellschaftliche und mediale Narrativ zu den Kinderkuren nach dem zweiten Weltkrieg bis in die Nachwendezeit wurde bislang überwiegend durch die Erfahrungen ehemaliger Verschickungskinder aus der Bundesrepublik Deutschland vor 1990 geprägt. Die Perspektiven der DDR-Kurkinder finden dabei bis heute nur unzureichend Beachtung.

Zugleich wird die politische Dimension der Kinderkuren in der DDR oftmals nicht ausreichend berücksichtigt. Dazu gehören insbesondere die Auswirkungen der SED-Diktatur auf das Kurwesen sowie mögliche Einflüsse und Kontrollmechanismen der Staatssicherheit innerhalb der Kinderkureinrichtungen. Eine differenzierte Aufarbeitung der Kinderkuren im Kalten Krieg steht daher weiterhin aus.


Kinderkuren: Kalter Krieg und Nachwendezeit

Die Betrachtung der Kinderkuren im Kalten Krieg und in der Nachwendezeit (bis etwa 1997) sollte über das Konzept der sogenannten ‚schwarzen Pädagogik‘ hinausgehen und den historischen Kontext des Kalten Krieges sowie die anschließenden Umstrukturierungsprozesse ebenso einbeziehen wie die politischen, rechtlichen und gesellschaftlichen Strukturen der DDR.

Persönliche Auseinandersetzung und Verarbeitung

Die Auseinandersetzung mit den Kinderkuren der DDR und der Nachwendezeit (bis etwa 1997) verläuft sehr unterschiedlich und ist ein langfristiger Prozess. Viele DDR-Kurkinder befinden sich an unterschiedlichen Punkten ihrer persönlichen Aufarbeitung, abhängig von ihren bisherigen Erfahrungen, ihrem Zugang zu Informationen und möglichen therapeutischen oder unterstützenden Angeboten.

Die Einordnung von Erlebnissen kann sich im Laufe der Zeit vertiefen, wenn neue Zusammenhänge sichtbar werden, etwa im Rahmen therapeutischer Prozesse und einer intensiveren Auseinandersetzung. Manche Erfahrungen lassen sich erst später in einen größeren biografischen und historischen Kontext einordnen.

Jedes DDR-Kurkind kann für sich einordnen, in welchem Spektrum es betroffen ist und inwieweit strukturelle oder organisatorische Rahmenbedingungen eine Rolle gespielt haben. Manche Verletzungen lassen sich im Laufe eines Lebens nicht vollständig heilen.


Alter der Kinder und Jugendlichen

Nach den bisherigen Rückmeldungen (Stand Mai 2026) waren sowohl Kleinkinder im Alter von zwei bis vier Jahren als auch Kinder und Jugendliche bis etwa fünfzehn Jahren von Kinderkuren in der DDR bis in die Nachwendezeit betroffen.


Mehrfache Kuren

Mehrfache Aufenthalte in unterschiedlichen Kureinrichtungen der DDR, im Inland und teilweise im Ausland, waren möglich. Laut Aussagen betroffener DDR‑Kurkinder gab es Fälle mit bis zu elf Kuraufenthalten.


Thema: Erinnerungslosigkeit

Zudem muss die Erinnerungslosigkeit an die Kuren untersucht werden, die viele DDR‑Kurkinder trotz ihrer Traumafolgestörungen betrifft. Viele Betroffene können sich an die Zeit der Kinderkuren im Inland der DDR nur bruchstückhaft oder gar nicht erinnern, während Ereignisse davor und danach klar präsent sind. Dieses auffällige Phänomen sollte wissenschaftlich untersucht werden, insbesondere hinsichtlich der Medikamentenvergabe und ihrer möglichen Langzeitwirkungen.

Für Verschickungskinder in der alten BRD liegt bereits entsprechende Forschung vor.


Kliniken & Therapien

Therapeutinnen und Therapeuten sollten über die Kinderkuren in der DDR und BRD informiert sein. Bei betroffenen DDR‑Kurkindern hat die Traumaaufarbeitung begonnen, und der Austausch liefert Antworten auf Lebensproblematiken, die zuvor in Therapien nicht beachtet wurden, weil nicht nach den Erlebnissen in den Kinderkuren gefragt wurde. Für manche DDR‑Kurkinder ist es aufgrund der vergangenen Erfahrungen allerdings nicht mehr möglich, eine Institution wie eine Klinik aufzusuchen. Viele brauchen Hilfe, die sie sich auch finanziell nicht leisten können.


Institutionelle Verflechtungen

In den Biografien der DDR-Kurkinder spiegeln sich übergreifende institutionelle Erfahrungen des Systems wider. Themen wie Wochenkinder, die Kurkinder waren, Kurkinder, die Internatskinder waren, Zwangsadoptionen sowie Geschwister oder Freunde, die Heimkinder waren, sind von Bedeutung.


Elternbeziehung und Erinnerung

Der Umgang mit Traumafolgen im Verhältnis zu den Eltern ist ein relevantes Thema, insbesondere im psychologischen Kontext von Schuld und Verarbeitung. Hinzu kommt, dass sich einige Eltern an die Kurverschickung ihrer Kinder nur unvollständig erinnern oder diese Erinnerung vermeiden. Es gibt Berichte von DDR-Kurkindern, die mehrfach zu Kinderkuren im In- und Ausland geschickt wurden, teilweise insgesamt bis zu elfmal (nach aktuellem Kenntnisstand). Für die Eltern bestand in vielen Fällen ein Kontaktverbot, und Briefe wurden in mehreren Kinderkureinrichtungen zensiert. Die Staatssicherheit der DDR spielte zudem sowohl in einzelnen Kinderkureinrichtungen als auch in persönlichen Biografien und Familiengeschichten eine mögliche Rolle.


Kollektive Erfahrung

Da sich viele Zeitzeugnisse in ihren Schilderungen ähneln und auch Tagesabläufe sowie Erziehungsmaßnahmen in den DDR-Kureinrichtungen häufig vergleichbaren Strukturen folgten, können die DDR-Kinderkuren als kollektive Erfahrung betrachtet werden. Innerhalb dieser kollektiven Erfahrung finden sich zahlreiche belastende, prägende und auch traumatische Erlebnisse. Sie verweisen darauf, dass es sich nicht nur um einzelne Vorfälle, sondern um strukturell geprägte Bedingungen handelte.


Langzeitfolgen und Nachfolgegeneration

Nicht alle DDR-Kurkinder werden in der Lage sein, ihre Erlebnisse aus den Kinderkuren aufzuarbeiten. Diese können über lange Zeit nachwirken und auch Auswirkungen auf nachfolgende Generationen haben, insbesondere angesichts unzureichender therapeutischer sowie derzeit fehlender politischer und rechtlicher Unterstützung. Vereinzelt suchen bereits Angehörige nach Antworten auf das Erlebte ihrer Eltern und Großeltern.


Opferentschädigung

Einige Betroffene berichten von langfristigen gesundheitlichen und psychischen Folgen ihrer Kuraufenthalte, die zur Erwerbsunfähigkeit geführt haben und eine Abhängigkeit von Leistungen wie einer EU-Rente zur Folge hatten. Bislang liegen keine bestätigten Rückmeldungen über erfolgreiche Opferentschädigungsanträge im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch in Kinderkureinrichtungen der DDR und der Nachwendezeit (bis etwa 1997) vor.

Die oftmals vertraulich mitgeteilten Berichte von DDR-Kurkindern sprechen dafür, dass sexualisierte Gewalt in Kinderkureinrichtungen der DDR und der Nachwendezeit (bis etwa 1997) kein Einzelfall war.


Petition

Diese Petition zur Aufarbeitung der DDR-Kinderkuren hat das benötigte Sammelziel von 500 Unterzeichnungen nicht erreicht, was auf die bislang geringe öffentliche Aufmerksamkeit für das Thema hinweist. Die Kommentare auf der Petitionsseite geben zugleich eindrückliche Einblicke in die Erfahrungen ehemaliger DDR‑Kurkinder sowie in die Vielschichtigkeit der Kinderkuren der DDR bis zur Nachwendezeit (bis etwa 1997).


Weitere Informationen folgen


Die auf dieser Website und in den zugehörigen Social-Media-Kanälen veröffentlichten Berichte beruhen auf persönlichen Erinnerungen ehemaliger Kurkinder in der DDR bis zur Nachwendezeit. Zum Schutz der Privatsphäre wurden alle personenbezogenen Angaben anonymisiert. Bitte beachten Sie, dass die Inhalte emotional belastend sein können. 

Für Inhalte Dritter und externe Links wird keine Haftung übernommen.

Sämtliche Texte, Materialien und künstlerischen Werke unterliegen dem Urheberrecht, einschließlich Projekttitel, Slogan und Zusatztitel. Jegliche Vervielfältigung, Veränderung oder Nutzung der Inhalte für kommerzielle Zwecke ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Urheberin bzw. des Urhebers gestattet.

Das Teilen der veröffentlichten Inhalte auf Social Media ist erlaubt, sofern die Urheberschaft benannt ist.

Das Projekt mit künstlerisch-dokumentarischem Fokus wird ehrenamtlich und unabhängig betrieben. Ziel ist die Aufarbeitung, Aufklärung und Dokumentation historischer Erfahrungen der Kinderkuren in der DDR bis zur Nachwendezeit, um zukünftiges Unrecht zu verhindern.